zurück

Es ist egal.

Das erfüllte Leben in der absurden Welt

Wir sind die verlorene Generation.

Geboren wurden wir im frühen zweiten Jahrtausend nach der Geburt eines hochmütigen Juden. Wir wuchsen auf in einer Zeit der Extreme. Kontraste umgeben uns: Die Arbeit wird nicht weniger, obwohl sie weniger wird, wir sind reich, von den Armen mal abgesehen, vom Klimaschutz hören wir auch mal, aber damit ist dann doch nur der Konsum gemeint. Für das Klima auf die Straße zu gehen würde ja eine Auflehnung gegen die Älteren erfordern, zu der uns der Mut fehlt. Warum sollte man sich denn auch gegen die Werte auflehnen, die die eigenen Eltern vertreten?

Und so wachsen wir auf und müssen unseren Platz finden in einer Welt, die wir eigentlich nicht verstehen. Vielmehr glauben wir, sie zu verstehen, da wir die Erklärungen unserer Vorgehenden mittlerweile völlig auswendig gelernt haben. Wir können diese Welt aber nicht verstehen, denn sie ist sinnlos. Sie ist verzerrt, absurd, pervers.

Nimmt man die Ideologie dieser Welt, nämlich die derer, die sie erbauten, unserer Vorfahren, an, erscheint sie plötzlich ganz logisch: dann ist die Weltrettung unbezahlbar und ökonomisch unverantwortlich, der Sozialismus der ewige Feind und das Wirtschaftswachstum wichtigstes Grundnahrungsmittel.

Wir leben in einer Zeit, wie man sie sich absurder nicht vorstellen könnte. Aber wie gehen wir mit diesen Umständen um?

Hilflos. Bisher sind wir verzweifelt, in dieser Welt zurechtzukommen. Wir haben versucht, nach den Regeln zu spielen. Das sollten wir besser lassen.

Das Klima können wir nicht retten, das Spiel ist aus. Eine Menschheit, die sich lieber mit „Arbeitsplätzen“ beschäftigt, kann die Welt nicht retten. Es gibt nichts, was wir tun können.

Aber genau das ist doch unsere Freiheit, oder um es mit Natalie Wynn zu sagen: “Nothing matters.” Es ist nämlich alleine diese Erkenntnis, die uns zu einem wahrhaftig freien Leben führen kann, einem Leben, das wir nicht Jahre vorausplanen, da wir uns unserer Mortalität bewusst sind. Wir müssen keine Angst haben, uns unsere Zukunft zu „verbauen“, wie es uns Vertretende der älteren Generationen weismachen wollen, da uns niemand zwingen kann, sie je zu erleben, und sie ohnehin sehr düster aussieht.

Bei der Gestaltung eines solchen Lebens werden wir uns sowohl im Rock ’n’ Roll, beispielsweise bei dem seit Jahrzehnten etablierten Motto “Live Fast, […] Die Young”, inspirieren lassen, als auch selbst neu denken müssen, denn beruflicher Erfolg ist in diesem System nicht nur unrealistisch, sondern auch sinnlos, oder um es mit dem Werk „uff“ des Künstlers alanoderso zu sagen: „Du machst dein Konto voll, / Doch stirbst dann trotzdem, lol!“